Die EU – für viele ein Wust anonymer Bürokratie, der sich um oft sinnlose Dinge wie den korrekten Krümmungsgrad einer Gurke kümmert. Doch die EU bewegt viel mehr.
Schekker- Autorin Julia Reis hat für euch zusammengestellt, welche Vorteile die EU-Mitgliedschaft wirklich mit sich bringt.
Nie wieder Krieg!
Ein unbezahlbarer, uns alle existentiell betreffender Vorteil ist, dass das Bestehen der EU entscheidend dazu beiträgt, dass ein Krieg zwischen ihren Mitgliedsstaaten für uns nahezu unvorstellbar geworden ist. In der europäischen Geschichte hat es nie zuvor eine so lange Phase des Friedens gegeben: In den letzten 60 Jahren gab es zwischen den Mitgliedsländern der EU keinen Krieg mehr. Nach den schrecklichen Erfahrungen der letzten beiden Weltkriege sollten die EU und ihre Bürger auch weiterhin alles dafür tun, damit das so bleibt. Sicher das wichtigste Argument für Europa!
Grenzenloses Europa
Foto: Oliver Weber, pixelio.de
Stundenlanges Warten an europäischen Grenzübergängen war früher Teil des Reisens. Jüngere Generationen kennen das bald nur noch aus Geschichten ihrer Eltern. Heute sind die Grenzen der EU offen und wir befreit von lästigen Kontrollen. Noch bedeutender sind die rechtlichen und wirtschaftlichen Grenzen, die ebenfalls weggefallen sind. Wir können in jedem beliebigen Land der EU arbeiten und leben. Außerdem profitieren wir massiv vom freien Handel, da dieser den europaweiten Wettbewerb fördert und damit zu niedrigeren Preisen beiträgt. Durch den zollfreien Verkehr von Waren können europäischen Firmen in den Supermarktregalen gleichberechtigt um unsere Gunst buhlen. Deutsche Produkte kommen dabei ganz besonders gut an: innerhalb der EU sind wir Exportmeister.
Alles für den Verbraucher
Der Schock, den man erleidet, wenn die Handyrechnung nach dem Auslandsurlaub ins Haus flattert, gehört bald der Vergangenheit an. Denn seit 2007 verpflichtet die EU-Kommission Mobilfunkanbieter, ihre Roaminggebühren jährlich zu senken. Andere Aspekte des Verbraucherschutzes der EU sind zum Beispiel die sogenannte „Schwarze Liste derFluggesellschaften, die aus Sicherheitsgründen in Europa nicht zugelassen sind, oder das EU-Bio-Logo, das ökologisch hergestellte Produkte kennzeichnet.
Mit ERASMUS – nicht nur nach Rotterdam!
Foto: Rolf Handke, pixelio.de
Eine EU-Erfolgsgeschichte ist auch das sogenannte ERASMUS-Programm (European Region Action Scheme for the Mobility of University Students). Das nach dem niederländischen Gelehrten Erasmus von Rotterdam benannte Programm hat allein im letzten Jahr 28.854 deutschen Studenten zu einem geförderten Auslandsaufenthalt verholfen. Seit seiner Gründung 1987 ermöglicht es uns, für ein oder zwei Auslandssemester das deutsche Mensaeinerlei gegen Pariser Caféleckereien oder englische Fish & Chips einzutauschen. Das Ziel des Programms ist es, die Zusammenarbeit zwischen europäischen Hochschulen zu fördern und den Studenten Auslandsaufenthalte durch finanzielle Unterstützung zu erleichtern.
Wer kennt noch die Deutsche Mark?
Trotz der Wirren der letzten Monate und der vielen Zweifel an der Stabilität des Euro bleibt die gemeinsame europäische Währung von Vorteil für die EU-Bürger. Noch vor zehn Jahren mussten wir vor jeder Reise zur Bank gehen und unsere Mark in Francs, Peseten oder Irische Pfund umtauschen oder vor Ort dafür hohe Gebühren bezahlen. Seit der Einführung des Euro im Januar 2002 fiel diese Hürde weg und nun können wir bequem in allen Ländern der Euro-Zone ohne einen Wertverlust zahlen. Von großer wirtschaftlicher Bedeutung ist vor allem, dass es nun für Unternehmen im europäischen Handel ein geringeres Risiko von Kursschwankungen gibt. Das ist besonders auch für Deutschland als Exportnation wichtig. Ebenso wurde mit dem Euro eine stabile Währung geschaffen, die es mit den großen Weltwährungen wie dem Dollar oder dem Yen aufnehmen kann.
Reform á la Bolognese
Foto: Thomas Kölsch, pixelio.de
Sicher nicht jeder Student liebt sie, und ihre Umsetzung bleibt verbesserungswürdig. Trotzdem kann die sogenannte Bologna-Reform als Errungenschaft der EU gesehen werden. Schließlich ging die Initiative zur Vereinheitlichung des bestehenden europäischen Hochschulbetriebs auf vier große EU-Länder zurück, nämlich Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien
Die Bologna-Reform bezeichnet die Bestrebung, den europäischen Hochschulraum bis zum Jahr 2010 zu vereinheitlichen, indem überall ein gleichwertiges Studiensystem bestehend aus Bachelor, Master und Doktor eingeführt wird. In Deutschland war dies zum Wintersemester 2010/11 bei 82 Prozent der Studiengänge der Fall. Ziel des Prozesses soll sein, Studenten und Absolventen den Wechsel ihres Studien- bzw. Arbeitsortes zu erleichtern und Probleme bei der Anerkennung und Beurteilung ausländischer Abschlüsse zu vermeiden.
Volle Kraft voraus!
Um in die Europäische Union aufgenommen zu werden, muss jedes Land gewisse Standards erfüllen. Einer davon ist etwa das „Politische Kriterium“, das besagt, dass der Beitrittskandidat eine demokratische Staatsordnung haben muss. Außerdem müssen die Menschenrechte gewahrt werden. Die Wirtschaft des jeweiligen Landes muss in der Lage sein, dem Wettbewerb am europäischen Binnenmarkt standzuhalten und die gemeinschaftlichen Ziele der EU zu tragen. So werden für alle Bewohner in der EU die gleichen Bedingungen gewährleistet.
Gerechtigkeit
Foto: H.H.Schmidt, pixelio.de
Wie in jeder modernen Demokratie braucht es neben einer gesetzgebenden und einer ausführenden auch eine richterliche Gewalt. Das höchste Gericht in der EU ist der Europäische Gerichtshof mit Sitz in Straßburg. Das Europäische Gericht kontrolliert, dass die EU-Organe ihren Pflichten nachkommen und sich die Mitgliedsländer an die EU-Verträge halten. Es urteilt auch, wenn das EU-Recht von Privatpersonen, Organisationen oder Unternehmen verletzt wurde. Diese Institution ist deshalb wichtig, weil nationale Gerichte in Prozessen, bei denen mehr als ein Land oder ein internationales Unternehmen beteiligt sind, gar nicht beschlussfähig sind. Ganz zu Schweigen vom Sprachkauderwelsch. Im Europäischen Gerichtshof können übrigens alle Amtssprachen der Mitgliedsländer Verhandlungssprache sein.
Kosten
Der große Verwaltungsapparat hat natürlich seinen Preis. Deutschland ist einer der Hauptzahler in der EU – wir tragen jährlich ungefähr 24 Milliarden Euro zum EU-Haushalt bei. Insgesamt umfasst der EU-Haushalt 126,5 Milliarden Euro. Davon sind allein 45,5 Milliarden Euro für Strukturfonds eingeplant, die dazu dienen, alle europäischen Regionen zu gleichberechtigten Partnern zu machen. Diese Summe, die Deutschland an die EU zahlt, ist angesichts der vielen Vorteile der EU-Mitgliedschaft wohl nicht zu bemängeln, doch werden die als zu hoch empfundenen Verwaltungskosten der EU in den Medien häufig kritisiert. Sie machen sechs Prozent des Gesamthaushalts aus. Die 32.000 Angestellten der EU in Brüssel sind vergleichsweise nicht viele: Allein die Stadt München hat rund 30.000 Mitarbeiter. Es gäbe sicher noch Einsparmöglichkeiten. Ein Paradebeispiel ist das monatliche Pendeln der Europäischen Parlamentsabgeordneten zwischen den Sitzen in Brüssel und Straßburg. Mit einer Festlegung auf Brüssel als alleinigem Parlamentssitz könnten jährlich je nach Berechnung zwischen 155 und 240 Millionen Euro und ungefähr 20.000 Tonnen CO2 gespart werden.
Wirtschaftliche Abhängigkeit

Foto: Sevastian Olényi, jugendfotos.de
Der Euro kann, wie wir in den letzten Monaten erfahren mussten, auch Risiken mit sich bringen. Wenn 17 Staaten mit einer sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Lage aber der gleichen Währung arbeiten, ist es schwierig, die gemeinschaftliche Geldpolitik angemessen zu koordinieren. Starke Schwankungen im Wert der Währung und damit eine Inflation, müssen verhindert werden. Deswegen geht uns auch die Krise in Griechenland etwas an. Es muss eine gemeinsame Lösung gefunden werden, um negative Konsequenzen für die gesamte EU zu verhindern. Somit hat der Euro – sowohl im positiven als auch im negativen Sinne – zu einer vielleicht noch stärkeren gegenseitigen wirtschaftlichen Abhängigkeit seiner Mitgliedsländer geführt.
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Kommentare
Meiner Meinung nach, ist der Punkt indem der Frieden angesprochen wird ein sehr großer Pluspunkt. Und der Export.
Aber wenn ich bedenke, dass unser Land bzw. unsere Politiker doch fast nichts mehr für die BRD alleine entscheiden dürfen, stelle ich mir oft die Frage wo denn unsere Vorteile sind.
Auch wenn ich lese, dass jeder mit dem neuen Abschluss im Ausland arbeiten kann…Das ist doch nicht die Masse.
Viele leben gerne hier. Sind hier geboren, wollen überhaupt nicht ins Ausland ziehen.
Und wenn ich immer wieder lese, dass die Einbrüche, Überfälle… Immer mehr geworden sind, seid die Grenzen frei sind, dann überlege ich schon, was der freie Grenzübergang für Nachteile statt Vorteile hat.
Viele Dinge die hier entschieden werden, kippt der Europäische Gerichtshof wieder.
Deshalb ganz konkret, was können wir als Land überhaupt noch entscheiden?
Alles ist teurer geworden seid der Euro eingeführt wurde..
Wo liegen ganz konkret unsere Vorteile?
Wir bezahlen das meiste Geld und werden noch von den Griechen in der Presse auf’s übelste beschimpft.
Ich kann für unser Land nicht klar die Vorteile erkennen.
Aber wahrscheinlich soll auch niemand mehr das Land in dem er lebt als sein Land ansehen ,sondern die EU als Ganzes.
Fällt aber sehr schwer, wenn man so viel negatives mitbekommt
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